Historie der Bacchusjünger Wangen

 

Im Allgemeinen wird das Allgäu eher mit Begriffen wie Kühe, Milch und Käse, weniger aber mit Wein in Verbindung gebracht. Dessen ungeachtet gibt es aber auch in dieser Region zahlreiche Menschen, die sich nicht nur wegen des Genusses für den Wein als einem der ältesten Kulturgüter interessieren.

 

So auch in Wangen im Allgäu, wo im Frühjahr 1978 ca. 25 Interessierte an einem von Eduard Merkle angebotenen Grundlagen-Weinseminar an der Volkshochschule teilnahmen. Der Erfolg und das Interesse war so groß, dass sich bald darauf ein Fortgeschrittenenseminar anschloss, dessen Inhalt dann verstärkt auf Neuzüchtungen,  Kellerarbeit und Sensorik ausgerichtet war.

 

Unmittelbar nach Abschluss des zweiten Seminars, am 3. April 1979, das mit einer festlichen Weinprobe im Saal des Gästeamts der Stadt endete, trafen sich die Teilnehmer in der Traditionsgaststätte „Fidelisbäck“, um das Erlernte und gerade Erlebte nochmals Revue passieren zu lassen. Damit aber nicht genug. Der damalige Kulturamtsleiter Walter Sterk, ebenfalls ein Seminarteilnehmer, regte zu fortgeschrittener Stunde die Bildung eines „Vereins“ an, um die zwischenzeitlich gebildete Gemeinschaft von Weinfreunden auch weiterhin  zu pflegen. Der Vorschlag wurde begeistert aufgenommen, zumal der Gästeamtsleiter Toni Schnetz, ebenfalls ein Seminarteilnehmer, mit dem Lesesaal im Rathaus den Teilnehmern eine Bleibe zusicherte.

 

Da ein „Verein“ ohne innere  Struktur nicht funktionsfähig ist, wurde an diesem Abend spontan mit Volker Leberer ein Präsident und mit Alfons Dufner ein Vizepräsident gewählt. Walter Sterk wurde als Zeremoniar ausersehen und Roland Steinbauer das Schatzmeisteramt übertragen.  Auch ein Name wurde schnell gefunden: die BACCHUSJÜNGER, zu denen auch –jüngerinnen gehören, waren geboren.

 

Vier noch im Gründungsjahr 1979 von jeweils einem Mitglied gehaltene Weinproben waren der Start zu zwischenzeitlich weit über 150 gleichartigen Veranstaltungen. Jeweils ein Bacchusjünger oder eine Bacchusjüngerin bereiten eine der 4 bis 6 jährlichen Weinproben vor,  wobei das Thema frei gewählt werden kann. 


Hinzu kommt eine festliche Jahresweinprobe, die jeweils am Samstag vor dem 1. Advent stattfindet und zu der die Bacchusjünger einen renommierten  Referenten zu sich bitten, der sein Anbaugebiet oder seine Region zum Gegenstand der Weinprobe macht. Die lückenlose Liste namhafter Referenten der Jahresfeiern reicht von Eberhard Ritter und Edler von Oetinger aus Erbach im Rheingau im Jahr 1980, über die Direktoren fast aller deutschen Staatsweingüter, internationalen Weinfachleuten aus Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn, Spanien und der Schweiz, von Graf Matuschka-Greiffenclau bis hin zu Natalie Lumpp im Jahr 2011.


Jährlich 2 bis 4 Neuaufnahmen, die zuvor ihr weintheoretisches Wissen in einer Aufnahmeprüfung unter Beweis stellen müssen, ferner die Beteiligung mit einem Weinstand beim sommerlichen Altstadtfest oder anderen kulturellen Veranstaltungen in der Region, Weinreisen und nicht zuletzt als Gründungsmitglied der aktive Beitritt zur Gemeinschaft deutschsprachiger Weinbruderschaften im Jahr 2006 halten die Bacchusjünger jung, lebendig und gut gerüstet für die Zukunft.


Dabei haben wir bis heute von der juristischen Form eines eingetragenen Vereins abgesehen da es sich seit den über 30 Jahren unseres Bestehens bewährt hat und wir auch weiterhin davon überzeugt sind, dass allein das Interesse am und die Liebe zum Wein das wesentliche Bindeglied unserer Gemeinschaft ist.

 

Volker Leberer, Ehrenpräsident